Manchen Leuten kann man einfach nichts vormachen. So zum Beispiel, Roland Koch. Der ist ja wirklich kein Dummer, sonst hätte er es nicht so lange als Ministerpräsident von Hessen geschafft. Chapeau, Herr Koch.
Zweimal Roland Koch
links: schweigend in die Zukunft (der Arbeit?) blickend
recht: seine Weitblicke mitteilend
Wie er auf seiner eigenen Homepage gegenüber Welt Online nochmals klarstellt, geht es ihm ja nicht um „Arbeitspflicht“. Das hat er auch nicht gesagt, meint er. Und das hat er wahrscheinlich auch wirklich nicht, zumindest nicht so konkret. So etwas würde kein Politiker oder Jurist sagen, weil das laut Artikel 12 GG auch gar nicht geht. Es sei denn man versteht Absatz 2 „Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.“ etwas anders.
Wer ALG II bekommt, kann sich doch auch „im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht“ befinden, oder? Mit etwas juristischem Fingerspitzengefühl bekommt man das verbal schon hingebogen.
In diesem Sinne gehe ich einfach mal davon aus, dass mich Herr Koch gern in einer Arbeit sehen würde. Ich war zunächst leicht irritiert – wie soll so eine „gemeinnützige Bürgerarbeit oder Gemeindearbeit“ (O-Ton Koch) denn aussehen? Sind das nicht auch schon all die sog. Ein-Euro-Jobs gewesen, im Amtsdeutsch „Arbeitsgelegenheit“ (AGH) genannt? Die waren doch auch als „zusätzlich und gemeinnützig“ angedacht und wurden – wie vorher vermutet – von vielen genutzt, für die sie gar nicht gedacht waren. Unter anderem auch als Wahlplakatekleber für die Bundestagswahl. Was es nicht alles gibt ;)
Naja, lieber Roland Koch, Herr Koch wohl besser ... ich möchte nicht unhöflich erscheinen. Vielmehr möchte ich hiermit einem eventuellen Einzug meiner Person zu diversen Gemeindearbeiten etc. zuvorkommen und eine persönliche „Top-Ten der Stellen, auf die ich mir vorstellen könnte, gezwungen zu werden“ bekannt geben. Die würde dann so aussehen:
- Ministerpräsident von Hessen
Ortswechsel nehme ich selbstverständlich in Kauf - Ministerpräsident von Sachsen
wäre mir lieber, dann kann ich in Dresden wohnen bleiben und habe auch keine Rangelei mit Ihnen, Herr Koch ;) - Vorstandsmitglied in der Deutschen Bank
dort ist Geld vorhanden - Vorstandsmitglied bei der Hypo Real Estate bzw. deren Nachfolger(in) der Deutsche Pfandbriefbank
dort ist auch Geld vorhanden, jede Menge - Vorstandsmitglied bei der Volkswagen AG
dort ist auch Geld vorhanden, Führerschein Klasse 3 habe ich - Vorstandsmitglied bei Heckler & Koch
Ist zwar nicht Ihre Firma, Herr Koch, doch vielleicht können Sie als Namensvetter ein gutes Wort für mich einlegen … deutsche Waffen braucht die ganze Welt; die treffen so genau und präzise und sind immer pünktlich beim Kunden - Vorstandsmitglied bei Saturn oder Mediamarkt, kurz bei der Media-Saturn-Holding GmbH
weil Geiz geil ist und ich nicht blöd bin - Jurymitglied bei „Deutschland sucht den Superstar“
weil ich die Musik von Modern Talking und Dieter Bohlen kenne … das reicht für diesen Stelle - Jurymitglied bei „Germany’s Next Topmodel“
weil ich auch fast so laufen kann wie Heidi Klum und Bruce Darnell … und so aussehe wie eine Mischung aus beiden - Bundeskanzler
was Horst Schlämmer wollte, kann ich auch
So, Herr Koch, ich habe mir Mühe gegeben, und werde nun auf Ihr Angebot warten. Bitte ziehen Sie die obige Top-Ten mit in Ihre Gedankengänge ein. Ein eventuelles Konkurrenzverhalten anderweitiger Mitbewerber auf diese Stellen nehme ich ebenso in Kauf wie eine mögliche Verzögerung bei der Beschaffung dieser Stellen.
Vielen Dank im Voraus und Ihnen – nachträglich – ein angenehmes und entspanntes 2010.
Michael Winkler.
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