Was ist wohl passiert, wenn ein Radiosender einen Moderator aufgrund einer e-Mail erst eine Sendepause "aufbrummt", ihn dann wieder auf Sendung lässt - allerdings nicht mehr live - und ihn einige Tage später ganz entlässt, der dazugehörige Programmchef geht gleich mit?
Hmm, "dirty business behind the curtain"?
Doch zur Sache ...
Henryk M. Broder - der "Terminator" unter den Journalisten
Es geht um Ken Jebsen von Radio Fritz. Ich kenne ihn nicht, weil ich Radio Fritz nur höre, wenn ich mal in Berlin oder Umgebung bin. Und das ist selten sonntags, zu KenFM-Zeiten. Macht nichts, ich kann ja lesen. So unter anderen einen Artikel auf WELT-Online, den mir ein FaceBook-Bekannter/-Freund empfahl. In diesem Artikel wird die e-Mail von Jebsen, die er einem Hörer geschickt hatte als "wirre e-Mail" bezeichnet. Verlinkt hat die WELT dann einen Artikel von Henryk M. Broder auf achsgut.de vom 6.11.2011. Broder nennt Jebsen dort - ganz nach Broder-Manier - einen "durchgeknallten Moderator". Naja, Broder wollte auch schon andere Medientätige wie den taz-Journalisten Mathias Broeckers als "Fettfleck an einer Hochhauswand" (letzter Satz in diesem Artikel) enden sehen. Freilich nicht wirklich, sondern nur so als ... wie auch immer. Broder meint es ja nicht so, doch er weiß immer genau, was andere wie meinen.
So auch bei Ken Jebsen ...

Quelle 1 2
Das Ding mit dem Holocaust
Ja, Jebsens e-Mail ist etwas wirr, doch nicht unbedingt inhaltlich, sondern von der Rechtschreibung her. Jebsen schreibt offenbar so schnell wie er redet, ohne Korrekturprogramm. Ein Schreiberling wird sicher nicht aus ihm. Im Radio braucht er das jedoch nicht. Jebsen hatte also seinen Platz offenbar schon gefunden. Broder kann übrigens beides - gut reden und gut schreiben, drum ist er auch überall dabei - im Fernsehen, im Radio, in Zeitungen. Was Reich-Ranitzki für die Literatur, ist Broder für diverse politische Fragen, besonders wenn's um den Themenkomplex "Israel/Juden/Palästina" geht.
Was hatte Jebsen geschrieben bzw. was brachte ihm den tendenziellen Vorwurf der Holocaustleugnung ein? Im Übrigen ein Vorwurf, der in Deutschland in seiner Reichweite - egal, ob begründet oder nicht - vermutlich noch über dem "Vorwurf der sexuellen Belästigung" stehen dürfte.
Original-Zitat e-Mail Jebsen:
"sie brauchen mir keine holocaus informatinen zukommen lassen. ich habe mehr als sie. ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffe freuds. bernays. in seinem buch propaganda schrieb er wie man solche kampagnen durchführt. goebbels hat das gelesen und umgesetzt. ich weis wer die rassendatten im NS reich möglich gemacht hat. IBM mit hollerithmachinen. ich weis wer wärend des gesamten krieges deutschland mit bombersprit versorgt hat.standartoil also rockefeller."
Broder macht das Ganze auch sehr geschickt, indem er den missverständlichen Satz mit dem "holocaust als PR" drin als Überschrift für seinen Artikel verwendet. Das ist legitim und legal, doch andererseits auch recht billig und journalistisch eher unteres Niveau. Ob er es absichtlich oder unabsichtlich getan hat, sei einmal dahin gestellt. Ich halte Broder für intelligent und clever genug, dass er genau wusste, was er tat und wie ein solcher Artikel wirken wird bzw. kann.
Was war das Missverständnis?
Das Problem ist, dass Jebsens Satz aus dem Zusammenhang gerissen, so verstanden werden kann, dass er den Holocaust selbst als PR-Aktion bezeichnet, sprich der Holocaust hätte nie stattgefunden. Womit er sich zum Holocaust-Leugner gemacht hätte. Was Jebsen jedoch meint - und das kann man auch rauslesen, wenn man denn auch will - ist, dass der Holocaust einer PR-Aktion bedurfte, sprich einer Manipulation der Öffentlichkeit, um ihn letztlich praktisch ausführen zu können. Und diese Anleitung, wie man das gezielt und professionell durchführt, hatte Joseph Goebbels in der Tat (auch*) aus Büchern eines Neffen von Sigmund Freud, dem PR-Guru Edward L. Bernays (Bild links), übernommen. Allerdings nicht - wie Jebsen schrieb - aus "Propaganda" von 1928, sondern aus "Crystallizing Public Opinion" von 1923.
Woher ich das weiß? Weil es auch bei Wikipedia steht.
Und woher weiß ich, dass das stimmt, was da bei Wikipedia steht?
Weil ich es vor es rund vier Jahren selbst dort reingeschrieben hatte ;)
Gelesen hatte ich dies im Jahr 2004 in Larry Tye's "The Father of Spin - Edward L. Bernays and the Birth of Public Relation" (S. 111).


Quelle: 1 2
Bernays, selbst Jude, war sich dieses (unbeabsichtigten) Bärendienstes am Volk der Juden durchaus bewusst und schwieg lange Jahre - bis in die 1960er - dazu. Ironie des Schicksals? Tragik des Weltenlaufes? Bernays hatte PR als Werkzeug verstanden, war sich jedoch auch dessen Einsatz- und Missbrauchsmöglichkeiten bewusst, hatte er doch bereits im Ersten Weltkrieg für die US-Regierung gearbeitet. Damals hieß der Slogan "Making the World Safe for Democracy". Sei's wie's sei ... letztlich wusste auch der Erfinder des Messers oder der Kalashnikow (vorher) nicht, wieviele Menschen mal durch ein Messer oder eine Kalashnikow sterben würden. Letztlich liegt's an den Menschen selbst, ob sie diese oder jene Sache zur Erhaltung des Lebens nutzen oder für dessen Beendigung.
Jebsens Probleme
Nachdem ich mir jetzt über einen Link auf einer Seite von Mathias Broeckers doch mal einen Beitrag aus einer Sendung von Ken Jebsen, alias KenFM, angehört habe, erinnere ich mich, dass ich doch schon mal eine Sendung von/mit ihm gehört hatte und diese mir auch durch ihre Offenheit im Ohr geblieben war. Tja, wer in Sachsen lebt, der vergisst mitunter, dass es beim Radio auch Journalisten gibt 
Jebsen hatte ein Problem: er ist offener als erlaubt. Das macht man nicht, wenn man Journalist bzw. Moderator ist. Nicht bei einem öffentlichen Sender, da hat man Staatsauftrag. Da heißt es, sich anzupassen, sprich sich an die Spielregeln zu halten, sprich Fakten berichten, doch bitte ganz ganz wenig, wenn's geht gar keine Hintergründe. Und ja keine Zusammenhänge. Das überfordert den Gebührenzahl..., äähhh, Hörer nur.
Vermutlich wurde Jebsen dann ebenso zum Verhängnis, dass seine Fangemeinde durchaus zu einem großen Teil aus tendenziellen "Verschwörungstheoretikern" besteht. Je nach Geistesfähigkeiten zweifeln Menschen offizielle Wahrheiten an und werden offen für andere Meinungen und Theorien. Manche bleiben dann auf halber Strecke stehen und wenn die Hälfte von den "auf-halber-Strecke-stehen-gebliebenen" Ken Jebsen per Facebook oder wie auch immer unterstützt, dann wirkt das zurück auf das Fan-Objekt, ganz gleich, ob der das nun gut findet oder nicht. Das wirkt dann wiederum auf den RBB ab, was wiederum Auswirkungen auf die finanzielle Unterstützung von Staat & Land haben kann usw. usf. ... und wenn die Jüdische Gemeinde dann noch kommt, dann ist die Sache eigentlich schon entschieden, ohne dass es einer genauen Recherche bedarf. Eine solche Eigendynamik hat auch völlig eigene Regeln; ich würde es als eine Art Öffentlichkeits-Mobbing bezeichnen - funktioniert eigentlich immer. Die Frage ist lediglich, wie man die eigenen Verluste begrenzen kann. Das ist alles, was man da tun kann. Dies ist zumindest meine Theorie.
Die "beste" Holocaust-Lüge
Weil ich das Thema "Holocaust" schon einmal angeschnitten hatte. Die für mich "beste" Holocaust-Lüge - und momentan finde ich sie im Internet (mangels geeigneter Suchworte und Tausender von Seiten zu diesem Thema) nicht mehr - ist jene, dass die Holocaust-Lüge, sprich die Leugnung, dass es den Holocaust jemals gab, von der Anti Defamation League bzw. einer ähnlichen Gruppierung selbst gestreut wurde. Mit anderen Worten: einige Juden in den USA verbreiten das Gerücht, dass es den Holocaust so wie er in den Geschichtsbüchern zu finden ist, nie gegeben habe. Das glauben dann mehr oder minder viele Menschen und wenn diese sich dann gruppieren und mit "The Holocaust is a lie"-Parolen an die Öffentlichkeit gehen, hatte man einen Ansatzpunkt, um die eigene Arbeit zu rechtfertigen. Mit anderen Worten: man erschaffe eine Lüge, um dann mit einigen Wahrheiten und Halbwahrheiten gegen diese Lüge zu protestieren. Es geht ja nicht um die reine oder ganze Wahrheit, sondern man muss nur versuchen, Halbwahrheiten aufzubauen. Das wäre der ganze Trick bei der Sache.
Ob die "Erfindung der Holocaust-Lüge" wirklich so gewesen sein könnte, weiß ich nicht - es ist eine Geschichte, die man weder 100%ig verifizieren noch 100%ig falsifizieren kann.
Der ewige Jude
Nun weiß ich nicht, was zwischen 1933 und 1945 wirklich vorgefallen ist - ich war glücklicherweise nicht dabei. Mir ist es in sofern unwichtig, als dass ich weiß, dass die Nazis einen Sündenbock brauchten und in Deutschland waren die Juden der beste Sündenbock, den man finden konnte. Das hatte schon Jahrhunderte lang Tradition. Der Hass auf andere steckt(e) tief im Deutschen (oder besser gesagt in jenen, die sich gern als solche bezeichnen, doch eigentlich nur dumpfe Nationalisten sind), besonders wenn's ums Geld geht.
Zudem mochte man den Juden auf der ganzen Welt irgendwie nicht, weil Juden - nicht alle, doch sehr viele - ihren Mitmenschen in vielerlei Belange einfach immer ein Stückchen voraus waren. Sie waren häufig gebildeter, anpassungsfähiger und wohlhabender. Das führt zwangsläufig zu Neid und Missgunst ... und die Sache mit dem Judas und Jesus haben viele einfach so übernommen, wie es ihnen erzählt worden ist, weil niemand ums Jahr 33 (nicht 1933, sondern 33 n. Chr.) mit dabei war.
Worauf will ich hinaus?
Menschen glauben an viel, auch an die abstrusesten Dinge ... damit kann man nur leben lernen sowie selbst einerseits auf Dummheit und Unwissenheit aufmerksam machen und andererseits mit besserem Beispiel vorangehen.
Die Moral aus der Geschicht'
So weit ich es einschätzen kann, hat Jebsen den "Fehler" begangen, sich den ersten Satz seiner e-Mail an betreffenden Hörer nicht selbst auch zu Herzen zu nehmen. Er hatte wie folgt begonnen:
"wie gesagt es ist völlig sinnlos sich mit ihnen zu unterhalten. das ist wie wenn ich versuche jehovas zeugen oder scientonlogie mitglieder zu überzeugen. sie sind unfähig aus ihrem käfig zu treten."
Darüber ist er gestolpert. Kann man ihm das verübeln? Sollte er auf sich selbst sauer sein? Beide Fragen kann man wohl mit "Nein" beantworten. So etwas sollte er wohl offenbar einfach mal erleben. Bestenfalls schreibt er ein Buch drüber oder macht aus seinen Erfahrungen etwas, dass er nutzen kann und anderen auch nützt. Durch die Sache bei Radio Fritz hat er ja mittlerweile bundesweit Publicity.
Und manche Quelle für seinen Theorien zum Thema A oder B kann er ja nochmals recherchieren bzw. andere Erklärungsmöglichkeiten mit in Betracht ziehen. Sollte er wirklich gedacht haben, dass bei FaceBook auch die CIA mit drin sitzt, dann wäre es vielleicht auch möglich, dass die CIA einfach die technischen Möglichkeiten hat, die FaceBook-Server zu checken oder es läuft einfach über einen normalen Kaufdeal, ohne dass "die Firma" als Kunde direkt erwähnt wird. Dass die CIA nun in den Facebook-Büros mit drin sitzt, halte ich für unwahrscheinlich. Dass die CIA ohne Probleme an die Daten rankommt, jedoch für sehr wahrscheinlich. Was bei Apple -iPhones mit Hilfe von Behörden möglich ist, geht genauso bei FaceBook-Profilen. Bei solchen Dingen sehe ich in der Tat etwas mehr Raum für Alternativen bei Ken Jebsen.
Achja, warum ich mich übrigens für das Schicksal von Ken Jebsen interessiere, sei auch noch erklärt. Ich selbst hatte beim sog. Freien Radiosender coloradio in Dresden im Jahr 2008 etwas ähnliches erlebt. Ich hatte zwar nichts über den Holocaust gesagt, doch mir einige Fragen zum Thema "Was ist freies Radio?" gestellt, u.a. ob freies Radio und linkes Radio dasselbe sind. So etwas macht man natürlich nicht 
Es folgten interne Aufrufe zur Absetzung der Sendung, danach gab's eine verordnete einmonatige Sendepause, sprich Sprechverbot, dann bin ich selbst gegangen. Schließlich ging's bei mir nur um den Spaß am Radiomachen, bei Ken Jebsen geht's u.U. um die Existenzgrundlage.
Sei's wie's sei ... irgendetwas findet sich bekanntlich immer. Und bis dahin kann Henryk M. Broder wieder seine Strichelliste mit "abgeschossenen Personen" auffüllen. Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben kann wieder mal Antisemitismus mit Rassismus verwechseln ("Rassismus-Vorwürfe: RBB wirft Radiomoderator Ken Jebsen raus") - was im Falle von Ken Jebsen weder noch der Fall war bzw. ist. Und mehrere Dutzende deutsche Journalisten und Blogger dürfen sich an den Fehler in Ken Jebsen's Sendungen in einer Art und Weise hochziehen, dass es am Ende so aussieht, dass nur sie selbst den wahren, den guten, den einzig richtigen Journalismus ausüben ...
Es ist also alles wieder gut in Deutschland ... Amen.
In diesem Sinne ... allen alles Gute, Micha.
PS: Ach ... übrigens hatte ich im Jahr 2005 auch mal eine Sendung zu Edward Bernays ("40% ... (Fast) nichts ist wie es scheint", 54 min.) gemacht.
* Worte, Satzteile und Sätze in dieser Farbe wurden am 29.11.2011 hinzugefügt, da ich mir bewusst bin, dass einiges missverstanden und -gedeutet werden kann - danke an die bisherigen Kommentatoren. Wer jetzt noch etwas missverstehen will und mich z.B. als antisemitisch eingestellt bezeichnen möchte, kann dies gern tun. Ich habe damit kein Problem. Kommentatoren sind natürlich weiterhin - wie auch bisher - gern willkommen.